M. Möllmann, W. Reinhardt, W. Venter, H. Seit, Prof. Dr. V. Mechtcherine, A. Bennmann, R. Domscheid
Ende März drehte sich in Wiesbaden wieder einmal alles rund um den Betonwerkstein. Der Spektrum des von der Bundesfachgruppe Betonwerkstein, Fertigteile, Terrazzo und Naturstein (BFTN) im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. (ZDB) gemeinsam mit der Dyckerhoff AG in Wiesbaden veranstalteten, zweitägigen Fach- und Praxisseminars reichte von technischen und marketingorientierten Themen bis hin zu rechtlichen Fragen.
Die Betonwerksteinbranche wurde von der Krise im Jahr 2009 nicht so stark getroffen wie andere Branchen - so Dipl.-Ing. Wolfram Reinhardt, der Bundesvorsitzende der Fachgruppe. Auch für 2010 erwartet man trotz größtenteils negativer bauwirtschaftlicher Daten zumindest eine schwarze Null, eventuell auch ein geringes Wachstum. Dies vor allem deshalb, weil man es gerade in der Krise verstanden hat, mit neuen, innovativen Produkten bei Bauherren und Planern Bedarf zu wecken. So gibt es nach Ansicht Reinhardts zurzeit insbesondere bei hochwertigen, innovativen Betonböden, bei geschliffenen Monolithböden sowie bei Terrazzo durchaus nennenswerte Zuwächse. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, gilt es jedoch, die Innovationskraft der Branche weiter zu fördern, so beispielsweise im Rahmen des geplanten Innovationsforums, auf dem Vertreter aus Forschung, Industrie und Handwerk gemeinsam zukunftsorientierte Ideen diskutieren sollen.
Wie Innovationen die Branche nach vorne bringen, dies war auch das zentrale Thema des diesjährigen Fach- und Praxisseminars. So konnte Dipl.-Ing. Werner Venter von der Schöck Bauteile GmbH aus Baden-Baden über die Chancen von neuartigen, zugelassenen Bewehrungen aus glasfaserverstärktem Kunststoff in Beton berichten. Die Einsatzgebiete einer alternativen Bewehrung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) liegen, so der Referent, insbesondere dort, wo Stahl an seine Grenzen stößt!. Dazu zählen unter anderem der Spezialtiefbau und der Bau von Bahn- und Energieanlagen. Aber auch im Bereich der konstruktiven Betonfertigteile kommen die neuen Bewehrungen, die weder rosten noch thermisch leitend sind und zudem keine Induktionsverluste erzeugen, voll zur Geltung.
Weniger die technischen Eigenschaften des Betons, als vielmehr die vielfältige Optik des Betonwerksteins standen im Fokus der Ausführungen von Dipl.-Ing. Alvin Bennmann, KBH-Maschinenbau in Lachen, zum Thema Innovative Oberflächenbearbeitung von Betonwerkstein. Er erläuterte nicht nur die unterschiedlichen Arten der Oberflächenbearbeitung, sondern zeigte auch auf, dass heute Form und Farbgebung allein zur Diversifikation nicht mehr ausreichen. Es gilt daher, so der Referent, vermehrt speziell in der Oberfläche bearbeitete Produkte, teilweise in geringeren Losgrößen, jedoch mit hohem Deckungsbeitrag zu produzieren. Die Anlagentechnologie hierzu ist vorhanden. Im Zuge kostenbewusster Investition ist dabei der Nachrüstung der Oberflächenveredelung in bestehenden Anlagen Vorrang zu geben.
Dass jede Art von Innovation immer nur dann Sinn macht, wenn man auch bereit für Neues ist, dies machte Martin Möllmann, bei der Dyckerhoff AG zuständig für Produktmarketing und Weisszement-Vertrieb, deutlich. Überschrieben mit Neue Chancen für Beton - Erfolgreich mit innovativen Lösungen führte er die Zuhörer durch eine spannende Zeit- und Weltreise mit Dyckerhoff Betonen - von der Freiheitsstatue in New York bis hin zum Mainzer Dom. Beispiele, die verdeutlichen, wie Dyckerhoff immer wieder gelungen ist, mit Materialinnovationen neue Märkte zu erschließe. Heute sind es vor allem Premiumzemente und Spezialbetone auf Basis der von Dyckerhoff Mikrodur- bzw. Nanodur-Technik, die Planern und Bauherren bei der Lösung auch schwierigster bautechnischer Aufgaben helfen. Mit seinen Ausführungen zu den Hochleistungsbetonen in der Praxis konnte auch Dipl.-Ing. Christian Bechtoldt, Dyckerhoff AG, den Tagungsteilnehmern einmal mehr vor Augen, welch enormes Kreativ-Potential in dem modernen Baustoff Betonwerkstein und speziell der Bindemittel-Innovation Flowstone steckt.
Mit einem aktuellen technischen Thema, nämlich der Minimierung der Rissgefahr im Betonbau durch richtige Nachbehandlungsmaßnahmen beschäftigte sich auch Prof. Dr.-Ing. Viktor Mechtcherine von der TU Dresden. Beton, so seine grundlegende These, ist in den ersten Stunden wie ein Baby. Die Nachbehandlung ist daher eine wesentliche Voraussetzung zur Sicherstellung seiner Güte und Dauerhaftigkeit. Gleichzeitig zeigte er, welch komplexe Mechanismen und Zusammenhänge sich hinter so einfach Begriffen wie Schwinden, Rissbildung oder Nachbehandlung verbergen. Mit seinen Ausführungen zu den anerkannten Regeln der Technik für die Verlegung von Betonwerkstein - Belägen - und Treppen im Außenbereich führte Dipl.-Ing. Wolfram Reinhardt die Zuhörer zurück in die Praxis der Betonwerksteinverlegung. Einen breiten Raum nahmen dabei die einschlägigen Merkblätter und deren Bedeutung ein. Ergänzt wurden seine Ausführungen von Berthold Leying, Anwendungstechniker bei Weber-Deitermann. Er zeigte wie sich mit geprüften bauchemischen Systemen Schäden bei der Verlegung vermeiden lassen.
Abgerundet wurde das diesjährige Fach- und Praxisseminar durch die Vorträge von RA Holger Seit, Landesverband Bayerischer Bauinnung München, zu den Haftungsrisiken für Subunternehmer sowie von Prof. Dr. Bernhard Stribny vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt, der eindrucksvoll aufzeigte, dass die aktuellen und zu erwartenden Energie- und Klimafakten eine wichtigen Rahmen für zukunftsorientiertes Bauen bilden. Ein Highlight war auch die abendliche Exkursion zum Neubau der Staatsweingütern Eltville, Europas modernster Weinkellerei. Hier konnten sich die Teilnehmer vor Ort überzeugen, wie der Einsatz von Sichtbeton zusammen mit exzellenten Betonwerksteinarbeiten im Innen- und Außenbereich zu einem architektonischen Meisterwerk geführt hat ganz aktuell ausgezeichnet mit dem Architekturpreis Wein 2010.