Martin Möllmann bei seiner Begrüßungsrede gemeinsam mit der Kölner Galeristin Elfi Pohl
Erfolgreiche Ausstellung "Möbel, Design und Kunst aus Beton" im Foyer der Wiesbadener Hauptverwaltung.
Im vergangenen Herbst verwandelte sich das Foyer der Wiesbadener Hauptverwaltung für mehrere Wochen komplett in eine veritable Galerie, in der es Beton in seiner schönsten Form zu sehen gab. In Zusammenarbeit mit der Kölner Galerie Locus Caementitium - Raum für Beton und dem Fotografen Horst Schäfer wurden hier Möbel, Design und Kunst aus Beton sowie Betonarchitektur präsentiert, wie sie kaum einer kennt. Eine wahre "Liebeserklärung" an einen epochemachenden Werkstoff.
Möglich wurde diese einzigartige Ausstellung durch enge Kontakte mit Elfi Pohl, einer langjährigen Mitarbeiterin im Verband der Deutschen Zementindustrie. Ihre Leidenschaft und ihr Faible für Beton brachte die Kölnerin darauf, dem oftmals zu unrecht als spröd und grau bezeichneten Werkstoff eine eigene Galerie zu widmen. Seitdem spürt sie in aller Welt Designer auf, die das Material ganz anders einsetzen, als man es gewohnt ist: für Stühle, Lampen, Vasen und selbst Standuhren. Zu sehen sind all diese einzigartigen Exponate in ihrer Kölner Galerie mit dem an die historischen Wurzeln des Werkstoffs erinnernden Namen "Locus Caementitium". Als sie eine Sonderausstellung dazu zwang, den Großteil der Exponate auszulagern, nutzte Dyckerhoff diese Gelegenheit und bot das Foyer seiner Hauptverwaltung als "Ausweichquartier" an. Ein Ort der selbst schon einem Kunstwerk gleicht; denn das im Jahre 1962 von dem berühmten Bauhaus-Architekten Prof. Ernst Neufert errichtete, direkt am Rhein gelegene Dyckerhoff-Hochhaus mit seinem lichten, in Glas und Sichtbeton gestalteten Eingangsbereich hat heute bereits den Status eines Baudenkmals.
Am 19. September 2005 war es dann soweit: In Anwesenheit von Kunden und Architekten aus dem Umfeld Wiesbadens sowie zahlreicher Pressevertreter wurde die Ausstellung "Möbel, Design und Kunst aus Beton" mit einer kleinen Vernissage eröffnet. Martin Möllmann, Geschäftsführer Dyckerhoff Weiss und zuständig für das Produktmarketing der Dyckerhoff AG, begann seine Begrüßungsrede mit einem kleinen Exkurs zur die Geschichte des Baustoffs Beton, der den Menschen bereit über Jahrtausende begleitet, beginnend mit dem "Urbeton" der Steinzeit über den römischen Beton bis hin zum Stahlbeton unserer Zeit. Lange Zeit, so Martin Möllmann, galt Beton als grau und trist; deshalb wurde er oft versteckt - hinter Verkleidungen aus den unterschiedlichsten Materialien. In der Architektur hat Beton dieses Image längst hinter sich gelassen. Heute schämt sich kein Architekt mehr, den Beton zu zeigen. Im Gegenteil: Nach manch negativen Schlagzeilen in der Vergangenheit erlebt der Baustoff derzeit geradezu eine Renaissance; er ist nicht nur Konstruktion und Raum, sondern zugleich auch sichtbare Fassade und Oberfläche. All dies ist Ausdruck einer neuen Ehrlichkeit im Umgang mit Baustoffen und eines Bemühens um stoffliche Authentizität.
Neue Herausforderungen führten außerdem dazu, den Beton kontinuierlich zu verbessern. Das Ergebnis sind Werkstoffe wie lichtdurchlässiger Beton, Textilbeton, Faserbeton, selbstverdichtender Beton, blinkender Beton, Beton, der in allen erdenklichen Farben eingefärbt werden kann, also gar nicht mehr nur grau und langweilig. Nicht nur Architekten, sondern auch Künstler und Designer haben sich daher von diesem schier grenzenlos formbaren und einsetzbaren Material inspirieren lassen. "Wolken aus Stein geformt", "Beton zum Kuscheln", "Wohlgefühl in Beton gegossen" oder "Fließende Steine" sind nur einige der Titel, mit denen die Presse auf diese neue Richtung reagiert. Inzwischen gilt es als schick, in Beton zu baden, an Beton zu kochen oder zu essen und seine Wohnung mit Betonheizkörpern zu wärmen.
Die Ausstellung zeigte auf eine besonders anschauliche Art und Weise, wie kreativ zeitgenössische Künstler und Designer mit dem einzigartigen Werkstoff umzugehen verstehen. Präsentiert wurden Tische, Sessel, Vitrinen, Hocker, Uhren oder Vasen und Schalen, vergoldet, versilbert, bemalt und geschliffen, mit weichen Polstern oder ganz puristisch. Die Exponate stammten aus Österreich und Schweden, aus Frankreich und Deutschland, geschaffen von Schreinern, Industriedesignern, Maurern und Filmemachern. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie lieben Beton. Weit spannte sich der Bogen von Hubert Berke mit seinem "Ehrenfriedhof für einen Städtebauer", entstanden Mitte der 50er Jahre, über Rango Bohne mit der "Liegenden" von 1960 bis zu den Arbeiten von Anno Bergmann, Conny Theis, Claudia Hoffmann, Agii Gosse und Franz U. Janetzko. All dies machte sichtbar, welche unterschiedliche Zuweisung diese Künstler dem Material Beton geben.
Meisterhaft ergänzt wurde die Ausstellung mit Fotografien des weltweit berühmten Architekturfotografen und Bildjournalisten Horst Schäfer. In seinen eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Fotografien zeigte er Betonarchitektur von Berlin bis New York, von Paris bis Chicago. Es muss jedoch nicht immer das spektakuläre Bauwerk in der Megacity sein. Horst Schäfers Blick hält häufig den besonderen Augenblick fest. Rampen, Brücken, Fenster und immer wieder Treppen nimmt er aus einem ungewohnten Blickwinkel auf. "Ornament in Beton", "Starke Struktur", "Kühner Schwung" oder "Fließende Formen" sind einige der Titel der gezeigten Aufnahmen. Es kommt vor, dass Schäfer mit seiner Kamera das Haus verlässt und den selben Weg wie jeden Tag nimmt, aber eben jetzt wirft das Licht einen Schatten, wie er ihn noch nie gesehen hat und wenn es ein ganz besonderer Tag ist, fliegt in dem Moment, in dem er den Auslöser bedient, ein Vogel durch das Bild. Das sind Aufnahmen, die man nicht planen und nicht arrangieren kann, aber es sind diese besonderen Augenblicke, die festzuhalten Schäfer immer wieder gelingt.
So brachte die Ausstellung nicht nur allen Mitarbeitern und Kunden von Dyckerhoff, sondern vor allem auch einer breiten Öffentlichkeit den Werkstoff Beton einmal auf eine ganz andere Art näher. Die zahlreichen privaten Besucher, die insbesondere aus der Region Wiesbaden/Mainz kamen und für die teilweise an den Wochenenden Sonderführungen durchgeführt wurden, zeigten sich angetan von der in Beton gegossenen Feinheit und Eleganz der Exponate. Gleiches galt auch für die örtliche Tagespresse, in der unter anderem von einer "Bereicherung des Kulturlebens der Stadt" oder von "einer Augenweide für Puristen" zu lesen war. So verwunderte es nicht, dass der ursprünglich vorgesehene Zeitraum der Ausstellung um zwei Wochen verlängert werden musste.
Wurde für mehrere Wochen zur Galerie: Das Foyer im Erdgeschoss des Wiesbadener Dyckerhoff-Hochhauses
Auch die Fotografien des weltberühmten Architekturfotografen Horst Schäfer fanden große Beachtung
Sie wirken edel und vornehm: Sitzmöbel aus Beton
So kreativ verstehen zeitgenössische Künstler und Designer mit dem einzigartigen Werkstoff umzugehen
Skulptur "Liegende" von Rango Bohne
Vor dem Hochhaus gab es die in Beton gegossenen Ergebnisse dreier Workshops der Dyckerhoff Werksgrup