Mit Gesteinskörnung attraktiv gestalten

Beton bietet auch dort Alternativen, wo heute noch Naturstein und Keramik dominieren

Das Hotel Colosseo im Europa-Park Rust bildete die Kulisse für die diesjährige Dyckerhoff-Weiss-Tagung "Betonwerkstein". Das Themenspektrum reichte von der Gesteinskörnung und Pigmentierung moderner Betone über deren Herstellung und architektonische Gestaltung bis hin zu Fragen der europäischen Normung. 150 Fachleute hatten den Weg ins badische Rust gefunden.

Trend zu feinkörnigeren Betonen

Gerade für moderne Sichtbetone und anspruchsvolle Betonwaren hat die Wahl der Gesteinskörnung eine ganz besondere Bedeutung. Ausgehend von der Geschichte der natürlichen Rohstoffe und deren Gewinnung bzw. Aufbereitung beschrieb Lothar Stephan von der Omya GmbH, Köln, die Sorten und Eigenschaften von Gesteinskörnungen sowie deren Einfluss auf den Beton. Den von Lothar Stephan festgestellten Trend zu immer feinkörnigeren Betonen bestätigte auch Dr. Jörg Zimmer von der Brockhues GmbH (Rockwood Pigments), Walluf, in seinem Vortrag zur zielsicheren Herstellung von farbigem und schwarzem Beton. Er beschrieb dabei die verschiedenen Pigmente und zeigte auf, was bei ihrem Einsatz zu beachten ist. Wichtig für die zielsichere Produktion sei vor allem, die Vorteile der modernen, automatischen Dosiertechnik zu nutzen, konstante Körnungen und Zemente zu verwenden sowie die Mischreihenfolge exakt einzuhalten. Denn, so der Referent, "farbig ästhetische Betone entstehen nur durch das exakte Zusammenspiel von Zulieferern und Verarbeitern". Wobei nach den Erfahrungen von Dr. Zimmer reine Schwarztöne, wie sie heute oftmals von Architekten gewünscht werden, "nur bei der Verwendung von Weißzement als Matrix richtig gut zur Geltung kommen".

In seinem Beitrag zum Thema "Mischtechnik für die Herstellung von Hochleistungsbetonen" stellte Walter Stahl, Seniorchef der Pemat/Zyklos Mischtechnik, Freisbach, nicht nur die verschiedenen Mischertypen im Detail vor, sondern erläuterte auch die wichtigsten Einflussgrößen für die Betonbereitung. Dabei machte er deutlich, dass "bei der Herstellung von Hochleistungsbetonen und -mörteln durch den erhöhten Mehlkorngehalt dieser Betone mehr Energie benötigt wird, um die Ausgangsstoffe gleichmäßig zu verteilen und aufzuschließen".

Wie sich die neuen europäischen Normen auf die Betonwerkstein-Praxis auswirken - dies war Gegenstand des Vortrags von Dipl.-Ing. Ulrich Neck aus Düsseldorf. Er appellierte an die Zuhörer, sich "dort wo möglich, schon heute auf die europäischen Normen einzustellen". Er forderte einen verstärkten Informationsaustausch aller Beteiligten, um das Wissen um die Leistungsfähigkeit des Produkts auch an die nachfolgenden Gewer-ke weiterzugeben.

Um sich verändernde rechtliche Rahmenbedingungen ging es auch im Beitrag von Dipl.-Min. Henning Rohowski von der MPVA Neuwied. Ausgehend von den physikalischen Grundlagen der Rutschhemmung skizzierte er die unterschiedlichen Mess- und Prüfverfahren mit ihren verschiedenen R-/SRT-/p-Werten, untersuchte deren Vergleichbarkeit und zeigte Möglichkeiten zur Verbesserung der Rutschhemmung auf.

Dyckerhoff Flowstone stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dipl.-Ing. Christian Bechtoldt, Dyckerhoff Weiss, Wiesbaden. Anhand eindrucksvoller Beispiele, die vom exklusiven Bodenbelag im neuen Allianz-Gebäude in München über die attraktive Fassade der Uni-Kliniken in Frankfurt bis zum begehbaren Dam-Karavan-Kunstobjekt in Regensburg reichten, zeigte Christian Bechtoldt, wie mit Flowstone Ideen von Architekten und Künstlern Wirklichkeit werden. So wird Beton auch dort zu einer Alternative, wo heute noch Materialien wie Naturstein und Keramik dominieren.

Abgerundet wurde die Betonwerksteintagung mit einem Rundgang durch das Hotel Colosseo auf den Spuren des römischen (Beton-)Baumeisters Vitruv. Der Tagungsort hätte nicht besser gewählt werden können. Das neu erbaute 4-Sterne-Erlebnishotel Colosseo im Europa-Park Rust macht mit seiner modernen Interpretation der historischen römisch-italienischen Bauweise nicht nur Geschichte lebendig, sondern legt mit 10 000 m3 verbautem Beton und Betonwaren auch Zeugnis über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Baustoffs Beton ab.