Dyckerhoff Weiss „Betonwaren-Tagung 2008“

Referenten und Gastgeber der Dyckerhoff Weiss „Betonwaren-Tagung 2008“. Referenten und Gastgeber der Dyckerhoff Weiss „Betonwaren-Tagung 2008“.

Von CEM II-Zementen bis Titandioxid - Experten informierten über neue Entwicklungen und Trends

Der Markt für Betonwaren ist in Bewegung. Auf der einen Seite wird er immer mehr durch eine verstärkte Nachfrage nach Spezialitäten, etwa auf dem Gebiet der Weißzemente, geprägt, auf der anderen Seite geht auch hier der Trend zu CO2-reduzierten Zementsorten. All dies und vieles andere mehr, war Thema der Dyckerhoff Weiss „BetonwarenTagung“, zu der sich Mitte April rund 100 Experten aus Industrie und Wissenschaft in Wiesbaden trafen.

Dass die CO2-reduzierten Grauzementsorten nicht nur ökologische Vorteile aufweisen, sondern auch über alle wichtigen und für die Betonwarenherstellung notwendigen Eigenschaften verfügen, dies untermauerten die Ausführungen von Dipl.-Ing. Klaus Neu von der Anwendungsberatung Süd der Dyckerhoff AG. Er machte zum einen deutlich, dass die künftige Produktstrategie von Dyckerhoff, bei der in den nächsten Jahren die Klinkeranteile im Zement sukzessive durch Hüttensand, Flugasche und Kalkstein ersetzt werden, ein aktiver Beitrag der Baustoff- und Bauindustrie zu den globalen Zielen des Klima- und Ressourcenschutzes ist. Sein Vergleich verschiedener Leistungsparameter bei herkömmlichen und neuen Zementen zeigte zudem, dass Dyckerhoff schon heute CEM II und CEM III-Zemente anbietet, die dank optimaler Herstellungsverfahren, d.h. einer gezielten Auswahl und Aufbereitung der Zementbestandteile, über eine hohe Leistungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit verfügen. In vielen Bereichen der Betonwarenherstellung ist daher, wie Praxisversuche zeigen, ein Austausch herkömmlicher Zemente durch neuen, CO2>/sub>-reduzierte Sorten beerits heute ohne Einschränkungen möglich.

Um die Dauerhaftigkeit von Betonwaren ging es auch in dem Beitrag von Dr. Klaus Droll, dem Leiter Anwendungstechnik im Wilhelm Dyckerhoff Institut (WDI). Er ging dabei der Frage nach „Sind Betonwaren nach neuer Norm dauerhaft?“. Einer Beschreibung der unterschiedlichen konzeptionellen Ansätze, schloßen sich ein Vergleich verschiedener Prüfverfahren, speziell im Bereich des Frost-Tausalz-Verhaltens, sowie eine Diskussion der verschiedenen Grenzwerte an. Am Ende kam der Referent unter anderen zu dem Ergebnis, dass sich die Dauerhaftigkeit eines Pflastersteins am besten über den Nachweis der Druckfestigkeit überprüfen lässt, und dass in diesem Sinne eine Überarbeitung der im Jahre 2003 eingeführten DIN EN 1338 bereits heute sinnvoll und notwendig erscheint.

Neueste wissenschaftliche Ansätze zur Ermittlung und Messung der „Rauheit und Rutschhemmung von Betonoberflächen“ konnte Prof. Dr. Rolf-Rainer Schulz von der FH Frankfurt den Wiesbadener Tagungsteilnehmern vorstellen. Wie seinen Ausführungen zu entnehmen war, geht die Entwicklung hierbei weg von herkömmlichen Verfahren und hin zu modernen optischen Verfahren, wie beispielsweise der Laser-Triangulation oder der Streifenlichtprojektion, also Verfahren die zu einer immer besseren und stets reproduzierbaren Messung der Rautiefe eines Belags führen.

Von den wissenschaftlichen Erkenntnissen zurück in die Praxis der Betonsteinverlegung ging es bei dem Vortrag von Dipl.-Ing. Mario Sommer, dem Leiter der Architekten- und Objektberatung sowie der Anwendungstechnik bei der Sopro Bauchemie GmbH. Er konnte über den zunehmenden und erfolgreichen Einsatz sogenannter „drainagefähiger Systeme“ bei der Erstellung von „Verkehrsflächen in gebundener Bauweise“ berichten. Wichtig ist dabei, den Aufbau der Pflasterflächen stets auf die zu erwartenden Verkehrslasten abzustimmen. Die Vorteile der „neuen“ Bauweise, bei der sowohl Fugenmörtel als auch Bettungsmörtel nicht mehr lose, sondern gebunden sind, liegt darin, dass die Beläge einerseits in der Lage sind, auch hohe Verkehrslasten schadlos aufzunehmen, andererseits beim Einsatz wasserdurchlässiger Systeme stets versickerungsfähige Flächen entstehen.

Zum Abschluss der Tagung ging Dr. Dietmar Stephan von der Uni Kassel der aktuellen Frage nach, welche „Chancen und Möglichkeiten beim Einsatz von Titandioxid in mineralischen Baustoffen“ bestehen. Während der selbstreinigende Effekt von Titandioxid bei vielen Materialien, unter andern auch auf Hausfassaden, bereits hinreichend nachgewiesen werden konnte, ist die Frage, inwieweit fotokatalytische Materialen wie Titandioxid und deren Anwendung in Betonprodukten mithelfen können, die uns umgebende Atmosphäre von Schadstoffen zu reinigen, aufgrund der bisherigen Erkenntnisse und der heutigen Datenlage allerdings nach wie vor umstritten. Vor einem großflächigen Einsatz solcher Baustoffe gilt es daher weitere Forschungsergebnisse abzuwarten, die insbesondere auch den Gesamteffekt auf die Umwelt berücksichtigen. Keinesfalls kann man, so der Referent, „nicht einfach in jeden Beton energieaufwändig hergestelltes Titandioxid geben“; denn dies würde am Ende mit Sicherheit zu einer negativen Ökobilanz führen.