Martin Möllmann bei der Begrüßung der Gäste zur Fachveranstaltung.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "75 Jahre Dyckerhoff Weiss" fand am 26. und 27. September 2006 in Berlin die Fachtagung "Fertigteilfassaden" statt. Eingeladen waren alle namhaften Fassadenhersteller aus Deutschland, rund 30 Gäste besuchten die Fachveranstaltung.
Nach der Begrüßung durch Martin Möllmann, Leiter Marketing+Vertrieb der Dyckerhoff AG, folgte ein sehr gelungenes Fachprogramm mit unterschiedlichen Vorträgen und Hintergrundinformationen für die Fertigteilhersteller.
Dr. Peter Weber der Harold Scholz GmbH sprach zur Thematik "Sichere Herstellung von eingefärbten Betonfassaden". Mit seiner langjährigen Erfahrung gab er den Herstellern wichtige Informationen zum Umgang mit Farben im Beton.
Nachfolgend referierte Prof. Dr.-Ing. Ogniwek vom Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein e.V. zur Thematik "Gutachterliche Beurteilung von Sichtbetonfassaden", er erörterte die Problematik einer objektiven Bewertung sehr kompetent. Durch das Einbringen konkreter Objekte erreichte er dabei eine gute Nähe zur Praxis.
Stefan Heeß und Christian Bechtoldt der Dyckerhoff AG präsentierten den Tagungsteilnehmern eine Vielfalt an "Gestaltungsmöglichkeiten unter Verwendung moderner Betone und Bindemittel". Mit herausragenden Projektbeispielen stellten sie die Variantenvielfalt dar, die mit neuesten Bindemitteln möglich ist und sorgten so ganz sicher dafür, dass die Produzenten für ihre eigenen Produktionen mit neuen Ideen versorgt wurden.
Für Diskussion sorgte der Vortrag von Prof. Dipl.-Ing. Klaus Theo Brenner aus Berlin. Seine Meinung zu "Sichtbetonfassaden aus der Sicht eines Architekten: Wie soll der Beton aussehen?" wurde nicht von allen Teilnehmern geteilt, sorgte daher aber für Diskussionsstoff und weiterführende Gespräche.
Weiterhin stellte ein Fertigteilproduzent eigene Erfahrungen anspruchsvoller Gestaltung vor: Thomas Mann der Dreßler Bau GmbH aus Aschaffenburg präsentierte die Leistungen seines Unternehmens für die derzeit größte Kulturbaustelle Europas, das Neue Museum in Berlin.
Für den Abend hatte die Dyckerhoff AG einen Besuch des Reichstages organisiert. Mit ebenso kompetenter wie unterhaltsamer Führung erklärte ein sehr engagierter, architekturkundiger Führer den Tagungsteilnehmern die die Kuppel umgebenden Bauwerke. Mit lustigen und absurden Geschichten und Anekdoten zu den Bauten, deren Architekten und Bewohnern sowie Entstehungsgeschichten wurden die interessierten Zuhörer umfassend informiert. Das abschließende Abendessen nutzten dann alle Teilnehmer für interessante Gespräche und weiteren Ideenaustausch.
Am Vormittag des zweiten Veranstaltungstages fand eine Rundfahrt zu den architektonisch interessantesten und bedeutendsten Bauwerken im alten Berlin statt. Die Tour begann auf dem Fernsehturm, dem berühmten Alex, denn von dort bietet sich ein sehr guter Überblick über Berlin.
Die Rundfahrt führte unter anderem zu den Parlamentsgebäuden. Neben dem von Norman Foster geplanten Reichstag wurden auch das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus angesehen, die vom Architekten Stephan Braunfels in Sichtbeton geplant wurden. Auch das Bundeskanzleramt von Axel Schultes Architekten bot mit seinen Sichtbetonfassaden ein interessantes Objekt.
Abschließend führte die Rundfahrt in das Viertel der Botschaften. Allein die Vorbeifahrt an den markanten Gebäuden lässt die Bedeutung der Repräsentanzen erahnen. Highlight und Abschluss war die geführte Besichtigung der mexikanischen Botschaft. Die Mitarbeiterin der Botschaft lieferte Hintergrundinformationen zum Verständnis der Botschaft und zu deren Aktivitäten. Der Fokus der Tagungsteilnehmer lag jedoch einmal mehr auf "ihrem" Baustoff Beton und der damit geschaffenen ganz besonderen Architektur. Die signifikante Fassade der Botschaft besteht aus 18 m hohen, teilweise schräg gestellten Betonstützen, deren Querschnitte allesamt ungleich sind und sich horizontal stetig verändern. Rahmen und Stützen sowie alle Wände im Gebäude bestehen aus einem speziellen Beton, der mit kleinen Marmorzuschlägen und gemahlenem Marmor anstelle von Sand und Kies hergestellt wurde. Im Nachhinein wurde allen sichtbaren Oberflächen in Handarbeit mit Hilfe von Pressluftmeißeln eine Struktur verliehen - ein Verfahren, das die Architekten Gonzalez de Leon und Serrano schon in früheren Projekten in Mexiko angewandt haben.
Mit dem umfangreichen und ansprechenden Tagungsprogramm gelang es der Dyckerhoff AG, den Teilnehmern neben technischen Fachinformationen auch eine Vielfalt an Anregungen und Ideen mit auf den Weg zu geben. Eine äußerst gelungene Veranstaltung, die den Baustoff Beton und dessen Möglichkeiten mit modernen Bindemitteln und Bauverfahren aufzeigte und die den eingeladenen Fertigteilherstellern die Architektur in der pulsierenden Hauptstadt Berlin näher brachte.
[bo]
Vom Fernsehturm hatte man einen wunderbaren Ausblick auf die Baustelle des Alexa Shoppingzentrum.
Besuch in der mexikanischen Botschaft, auch ein Bauwerk mit markanter Betonarchitektur.