Zu Gast am Deutschen Eck - Dyckerhoff Weiss Tagung „Betonwerkstein“

„Koblenz verwandelt“ - so lautet das Motto der diesjährigen Bundesgartenschau, der BUGA, die noch bis zum 16. Oktober in der Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel stattfindet. Mit zu dieser „Verwandlung“ beigetragen hat auch der Baustoff „Beton“, insbesondere in Form von Betonwerkstein und Betonelementen. Wir nahmen dies zum Anlass, unsere traditionelle Dyckerhoff Weiss-Tagung in diesem Jahr unweit des Deutschen Ecks abzuhalten und mit einem Besuch der BUGA zu kombinieren.

Rund 150 Teilnehmer aus der Betonwarenbranche konnten wir zur Weiss-Tagung 2011 in Koblenz begrüßen. Vor dem Rundgang über die BUGA entlang des neugestalteten Rheinufers und der Fahrt mit der Gondelbahn über den Rhein hinauf zur Festung Ehrenbreitstein stand zunächst ein informativer Vortragsteil mit einem breiten Themenspektrum. Eröffnet wurde er durch Sebastian Kammerer von der Objekt- und Architekturberatung der Sopro GmbH aus Wiesbaden, der zunächst den Blick auf einen der spektakulärsten Museumsneubauten unserer Zeit richtete: Das Neue Museum in Berlin. Hochwertiger Architekturbeton mit einer faszinierenden Oberflächenoptik war hier ein wesentlicher Teil des von dem britischen Architekten David Chipperfield entwickelten Restaurierungskonzepts - von der monumentalen Treppenanlage bis hin zu den kleinsten Ausstellungssockeln. Mit seinen Ausführungen zur „Verlegung von großformatigen Betonwerksteinplatten und Betonwerksteinpflaster im Außenbereich auf Drainagemörtel in der gebundenen Bauweise“ machte der Referent aber auch deutlich wie wichtig eine fachgerechte Verarbeitung ist, um dem Werkstoff Beton die ihm zustehende Akzeptanz zu verleihen.

Innovative Entwicklungen im Fokus

Ebenso wichtig ist es, die Branche mit Innovationen noch weiter nach vorne bringen. Welche Perspektiven hier die vieldiskutierten „Photokatalytischen Baustoffe“ bieten, führte der Leiter unserer Produktentwicklung, Herr Dr. Carsten Geisenhanslüke, näher aus. Er zeigte, dass die selbstreinigende Wirkung von Betonoberflächen mit dem Weißpigment Titandioxid (TiO2) schon seit 60 Jahren bekannt und bewiesen ist. Erste überschlägige Simulationsberechnungen mit vielen Restriktionen und Annahmen zeigen, dass die Schadgasreduzierung in der Praxis mit UV-Bestrahlung durch das Sonnenlicht gering ist. Verfeinerte Simulationen mit verbesserten chemischen Daten sind jedoch angelaufen. Aktuell – so Herr Geisenhanslüke - werden die photokatalytischen Effekte an Baustoffen in einem, von uns unterstützten, BMBF-Projekt untersucht. Dabei wird eine Effizienzsteigerung der Photokatalysatoren sowie eine Wirkung auch im sichtbaren Licht angestrebt. „Innovativ“ weiter ging es mit dem Vortrag von Dr. Fritz Töllner, BETRA Beton- und Baustoffverfahrenstechnik GmbH in Bad Wünnenberg/Haaren. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen zu den „Innovativen Oberflächenschutzsystemen für Betonwaren“ stand das „RonaZep-System“. Hierbei handelt es sich um ein filmbildendes und schmutzabweisende Schutzsystem mit Grundierung und Deckschicht, bei dem die Applikation sowohl auf der Nass-, als auch die Trockenseite erfolgen kann.

Beton als Design-Impuls

Perfekt abgerundet wurde der Vortragsteil durch einen nicht alltäglichen Blick auf die gestalterischen Möglichkeiten des Werkstoffs Betons. Dieser Vortrag wurde von Prof. Bernd Benninghoff von der Fachhochschule Mainz sowie Christian Egenter, Gesellschafter bei der Betonmanufaktur Villa Rocca in Freiburg gehalten. Hintergrund war das vom Studiengang Innenarchitektur der Fachhochschule Mainz im vergangenen Jahr veranstaltete Semesterprojekt „Material als Design-Impuls“, bei dem sich alles um den Werkstoff Beton drehte. Grundlage der Designentwicklungen sollte dabei das Material selbst sein. In enger Zusammenarbeit mit einem Netzwerk kooperierender Firmen ging es um die experimentelle und konzeptionelle Verwendung von Beton bei der Entwicklung neuer Möbel und Raumelemente. So unterstützten wir beispielsweise die 16 Nachwuchsdesigner/innen und ihre Konzepte durch die Bereitstellung unseres Hochleistungsbindemittels Flowstone, das als Gussmaterial für sämtliche Objekte eingesetzt wurde. Das Spektrum der auf diese Weise mit Unterstützung von Villa Rocca realisierten Projekte reichte von einer Betonleuchte, einem Heizkörpers aus Beton sowie einem begrünten bzw. einem beleuchteten, modularen Wandsystems über ein pillenförmiges Sitzmöbel für den Außenbereich bis hin zu einem Bodenbelag in Form eines Rollbetons. Alles Objekte, die - wie bereits die Präsentationen auf der Möbelmesse in Köln oder der BAU in München zeigten - durchaus „praxistauglich“ sind.

Betonwerkstein auf der BUGA 2011

Die Einstimmung auf den Besuch der BUGA nahm Stephan Lenzen vor, Inhaber des Landschaftsarchitekturbüros RMP Stephan Lenzen in Bonn. Dabei machte er anhand des von seinem Büro entwickelten Konzepts für die BUGA 2011 deutlich, welch große Rolle Beton heute im Garten- und Landschaftsbau spielt. Ob im neugestalteten Schlossgarten, am Konrad-Adenauer-Ufer mit seinen markanten Rheinboulevard oder auf dem Plateau der Festung Ehrenbreitstein - überall kam hier Betonwerkstein in den unterschiedlichsten Varianten zum Einsatz. Dies insbesondere in Form von Stufen verschiedenster Art sowie zahlreichen, speziell entwickelten Einfassungs- und Ausstattungselementen, die so mit keinem anderen Material zu realisieren waren - und wovon sich auch die Teilnehmer der Dyckerhoff Weiss-Tagung 2011 während eines mehrstündigen, fachkundig geführten „architektonischen Rundgangs“ überzeugen konnten.